Wenn Liebe zur Abhängigkeit wird! Meine Erfahrung mit einer toxischen Beziehung.

Mit 23 Jahren habe ich einen jungen Mann kennengelernt, in den ich mich über beide Ohren verliebt hatte. Ich dachte, er sei die Liebe meines Lebens, und fragte mich, wie ich nur so viel Glück haben konnte. Es fühlte sich an, als wäre mein Leben zu einem Film geworden.

Er war Hobbypilot und flog mit mir durch die Frankfurter Skyline. Eines Morgens überraschte er mich und flog mich nach Luxemburg, nur um dort gemeinsam zu frühstücken. Zwei Jahre lang reisten wir fast jedes Wochenende in ein anderes Land und besuchten die teuersten und schönsten Restaurants und Clubs.

Doch wie es so oft bei toxischen Beziehungen ist, hat all das seinen Preis. Einen Preis, dessen Auswirkungen mir damals als noch so junge Frau nicht bewusst gewesen sind.

In der ersten Phase einer solchen Beziehung fühlt sich alles unvorstellbar schön an. Es ist intensiv, leidenschaftlich und alles passiert unglaublich schnell. Am Anfang einer Beziehung gibt es oft diesen Reiz, den anderen für sich gewinnen zu wollen. So entsteht schnell ein Spiel aus Nähe und Distanz, fast wie ein Katz und Maus Spiel.

Das Prinzip einer toxischen Beziehung funktioniert auf der Ebene von Belohnung und Entzug. Man könnte es sich auch wie ein Glücksspiel vorstellen. Ein Spielsüchtiger wartet immer wieder darauf, dass beim nächsten Versuch der Hauptgewinn kommt.

So war es auch bei mir.

Meine Psychologin hat mir nach der Trennung einmal ein sehr einprägsames Bild beschrieben. Stell dir vor, du ziehst eine horizontale Linie. Diese Linie beschreibt das “Normal” oder, wie man heute sagen würde, das bare minimum.

Die Höhen, die du in dieser Beziehung erlebst, fühlen sich unglaublich intensiv an. Sie sind so viel stärker als die Tiefen, dass du denkst, deine Beziehung sei all die Schmerzen, Demütigungen und Erniedrigungen wert. Was du dabei jedoch nicht mehr siehst: Diese Höhen und Tiefen schwingen beide weit unterhalb deiner eigenen Linie. Und irgendwann vergisst du völlig, was eigentlich normal sein sollte.

Aber was genau ist passiert, dass aus dieser vermeintlichen Märchenbeziehung eine der schmerzhaftesten Erfahrungen meines Lebens geworden ist?

In dem Moment, in dem ich emotional abhängig von meinem Ex-Freund wurde, begann eine Form der Manipulation, die mich so sehr verunsicherte, dass ich irgendwann selbst nicht mehr wusste, was eigentlich die Wahrheit war.

Es kam wiederholt zu übergriffigem und entwürdigendem Verhalten. Dabei überschritt er körperliche und persönliche Grenzen und setzte mich Situationen aus, in denen ich mich bloßgestellt und erniedrigt fühlte. Abwertende Bemerkungen, oft als Witz verpackt, trafen mein Selbstwertgefühl immer stärker. Dies passierte nicht nur im Privaten, sondern auch vor meinen Freunden und in der Öffentlichkeit.

Ich schreibe heute über diese Dinge nicht, um zu zeigen, was für ein schlechter Mensch diese Person ist, nein.

Ich schreibe darüber, weil ich weiß, dass es da draußen so viele Menschen gibt, egal ob Frau oder Mann, die ebenfalls in solchen Beziehungen gefangen sind. Und ich möchte euch Mut machen, euren eigenen Selbstwert wiederzufinden und Grenzen zu setzen.

Innerhalb der zwei Jahre, in denen ich mit ihm zusammen war, habe ich mindestens zweimal pro Woche geweint. Natürlich hat es ihn nicht gekümmert. Und entschuldigt, hatte er sich auch nie für etwas.

Ich bekam Panikattacken und merkte, wie ich mich selbst immer mehr verlor. Ich habe mich gefragt, wie ich so etwas überhaupt zulassen konnte.

Denn die Menschen, die mich kennen, wissen eigentlich, was für eine starke und selbstbewusste Persönlichkeit ich bin. Und trotzdem habe ich zugelassen, dass dieser Mensch so mit mir umgeht.

Doch dann begann ich, meine eigenen Muster zu hinterfragen.

Am Ende ist es so, dass jeder Mensch ein Spiegel zu uns selbst ist. Er konnte mich nur so sehr lieben, wie ich mich selbst geliebt habe. Und er konnte mich nur so sehr respektieren, wie ich mich selbst respektiert habe. Und zu dieser Zeit lagen beide Dinge bei etwa 0%.

Als ich für mich beschlossen habe, dass ich nicht mehr jeden Tag weinen möchte und dass ich nicht mehr erniedrigt werden möchte, weil ich es mir wert bin, geliebt zu werden, habe ich die Reißleine gezogen und mich von diesem Menschen getrennt.

Doch leider kam nicht sofort das Gefühl von Freiheit und Erleichterung, das ich mir erhofft hatte.

Es folgten zwei Jahre der Heilung und der Trauer. Zwei Jahre der Verarbeitung darüber, dass die Illusion, die ich in meinem Kopf hatte, nicht real war. Darüber, dass ich mich selbst verleugnet hatte. Und darüber, die emotionalen Wunden zu heilen, die diese Beziehung hinterlassen hatte.

Aber eine Sache kann ich euch mit Gewissheit sagen.

Heute, knapp fünf Jahre nach unserer ersten Begegnung, weiß ich, wer ich bin und wer ich sein möchte.

Ich habe gesunde Grenzen gesetzt. Ich habe meinen Selbstwert neu definiert. Ich liebe mich an erster Stelle, denn nur dann kannst du auch wirklich geliebt werden.

Heute bin ich in einer wundervollen, gesunden Beziehung. Mit einem Mann, der mich respektiert, liebt, unterstützt, fördert, geduldig ist, kommuniziert und bedingungslos für mich da ist. Ich habe verstanden, dass die Liebe, die ich damals empfunden habe, in Wahrheit Abhängigkeit war, und durfte neu lernen, was Liebe wirklich ist.

Zum Schluss möchte ich dir zwei Fragen stellen.

  • Wie viel bist du dir selbst wert?

  • Und wo liegen deine gesunden Grenzen?

Ich schicke dir ganz viel Mut, Liebe und Geborgenheit. Du bist so unendlich wertvoll!

 
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