Zweite Chancen: Vorurteile, Schutzmauern und die Kraft der Veränderung!

Wenn man früher jemanden gefragt hätte, mich mit drei Worten zu beschreiben, wären es wahrscheinlich zickig, arrogant und eingebildet gewesen. Heute wären es eher hilfsbereit, optimistisch und selbstbewusst.

Aber wie kann es sein, dass man einen Menschen auf zwei völlig unterschiedliche Arten beschreiben kann? Nun ja, die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Menschen verändern sich und leider vergessen wir das viel zu oft.

Als ich noch ein Kind war, zogen meine Eltern mit mir und meiner Schwester aus einer Kleinstadt in eine Großstadt. Für mich bedeutete das, meine gewohnte Umgebung zu verlassen und immer wieder neu anzukommen. Ich musste mich ständig auf neue Situationen, neue Menschen und neue Strukturen einstellen. Schon in der Grundschule habe ich dadurch insgesamt drei verschiedene Schulen besucht. Auch danach blieb es nicht dabei: Es ging weiter über die Mittelstufe bis hin zur Oberstufe. Am Ende hatte ich insgesamt fünf verschiedene Schulen durchlaufen.

Eines hatten diese Schulen jedoch gemeinsam, ich habe nie wirklich Anschluss gefunden und alle, bis auf wenige Ausnahmen, hatten dasselbe Bild von mir. Tatjana, die Zicke.

Es fiel mir extrem schwer, Freunde zu finden, und egal wie sehr ich mich bemühte, gehörte ich nie zu einem festen Kreis dazu. Dieses ständige Gefühl, sich verteidigen und beweisen zu müssen, dass man doch eigentlich „toll“ ist, führte dazu, dass ich als Kind sehr stur, direkt und manchmal auch gemein war. Nun ja, so ist es eben als Kind, man versucht sich mit allen Mitteln zu schützen.

An einem Punkt habe ich jedoch beschlossen, meine Art und Weise zu verändern. Ich versuchte, zu jedem freundlich zu sein. Doch das kam leider nicht so gut an, wie ich gehofft hatte. Jeder, der mich kannte, hatte bereits ein festes Bild von mir. Und so sehr ich mich auch bemühte, dieses zu verändern, wurde es eher belächelt und nicht ernst genommen.

Der Wendepunkt kam dann in meiner Zeit an der Uni. Niemand kannte mich dort. Ich konnte einfach sein, wie ich bin. Ich habe aufgehört, mich beweisen zu wollen und siehe da: Die Menschen hatten ein ganz anderes Bild von mir als all die Jahre zuvor.

Aber was genau ist passiert? Es kann ja nicht sein, dass vorher alle falsch lagen, oder? Naja, es ist nie schwarz oder weiß die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Als ich angefangen habe, meine Verletzungen, meine Ablehnung und meine Glaubenssätze aufzulösen und zu heilen, habe ich eine tiefgreifende Transformation durchlebt. Ich bin wieder zu der Person und Persönlichkeit zurückgekehrt, die ich im Inneren schon immer gewesen bin. Ich habe meine Leidenschaft für Spiritualität entdeckt. Seitdem reflektiere ich mich immer wieder, arbeite an mir, lasse los, vergebe und lerne, mich selbst wieder mehr zu lieben. Auch die Anschuldigungen gegenüber anderen habe ich Stück für Stück losgelassen.

Warum erzähle ich das alles? Weil ich glaube, dass Menschen sich verändern können und dass einem viel zu oft Fehler und die eigene Vergangenheit immer wieder vor die Nase gehalten werden. Menschen halten akribisch an ihren (Vor-) Urteilen fest. Und sind wir mal ehrlich: Kann man einen Teenager wirklich mit einer jungen erwachsenen Person vergleichen? Ich glaube nicht.

Natürlich weiß ich auch, dass es Menschen gibt, die einen tief verletzen und sich wahrscheinlich nie verändern werden. Das Wichtige ist jedoch: Es gibt die Möglichkeit zur Veränderung. Ob und wie man diesen Weg geht, liegt letztlich in der eigenen Hand.

Für die Menschen, die mutig genug sind, sich verletzlich zu zeigen, offen und demütig sind, sollten wir die Arme mehr entgegenreichen. Wir sollten wieder mehr Liebe, Empathie und Verständnis in die Welt bringen und dankbar sein für jeden einzelnen Menschen, der etwas Positives beiträgt. Und noch mehr Liebe und Verständnis sollten wir denen gegenüberbringen, die noch zu verletzt und in sich gefangen sind, um diesen Schritt zu wagen.

Denn je härter wir zu anderen sind, desto mehr verschließen sie sich. Hätten mich damals mehr Mitschüler mit offenen Armen empfangen, hätte ich wahrscheinlich schon viel früher meine Schutzmauern fallen lassen können.

Ich drücke euch alle und sende euch ganz viel Liebe zu.

Ich sehe euch!

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Wenn Liebe zur Abhängigkeit wird! Meine Erfahrung mit einer toxischen Beziehung.